Neues von Sepp Holzer

Veröffentlicht auf von Gabriele Wiedemann

Buch:Leopold Stocker Verlag

Hallo liebe Leute,

heute habe ich für euch einen Ausschnitt aus einem Interview mit Sepp Holzer.

Der berühmte Agrar-Rebell aus Österreich hat sehr viel bewegt in den letzten Jahren.

Ich hatte ihn auch schon auf seinem "Krameter-Hof" besucht und Kirschen auf über 1000 Metern Höhe geerntet.

Danach ein wunderbares Mittagessen genossen mit wohlschmeckendem Fleisch und Semmelknödeln......

Längst hat er bewiesen dass Permakultur auch in über 1000 m Höhe machbar ist.

Er hat viele wunderbare Ideen für eine neue Landwirtschaft...und das weltweit auch in Projekten angestoßen und umgesetzt.

Hier jetzt Auszüge aus dem Interview mit der Zeitschrift "Naturscheck" vom 12. März 2016

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Auf Ihrem „Holzerhof“, den Sie nun seit 2009 bewirtschaften, haben Sie viele Veränderungen vorgenommen, haben Terrassen und Teiche angelegt. Wie haben denn die Behörden darauf reagiert?

HOLZER: Mit den Behörden ist das so eine Sache. Wir haben heute viel zu viele Beamte, Theoriekrüppel, die dem Praktiker vorschreiben, wie er seinen Grund und Boden bewirtschaften soll, was er machen darf und was nicht. Die meisten davon haben keine Ahnung, wie die Natur wirklich funktioniert. Und sie sind sich gar nicht bewusst, welchen Schaden sie damit anrichten. Das ist verantwortungslos und ein Verbrechen gegen die Natur. Das muss man hinterfragen und Modellprojekte schaffen, um zu zeigen: Es geht auch anders! Du kannst im Paradies leben. Du brauchst keine Massen, du kannst von wenig gut leben – nach dem Prinzip „Vielfalt statt Einfalt“! In der EU muss jeder Bauer im Vorhinein angeben, was er auf jedem Quadratmeter anbauen wird. Die EU bestimmt dann den Preis – und er verdient am Ende nichts. Jeder Bauer müsste lernen, selbständig zu denken, autarker und unabhängiger zu werden. Man muss auf mehreren Beinen stehen, seine Produkte veredeln. Nur wie ein Lemming den Vorgaben der Wirtschaft und der Genossenschaften hinterherzulaufen, bringt nicht weiter.

Sie betreuen ja nicht nur in Österreich Projekte, sondern auch international. Was haben Sie in den letzten Jahren so alles beobachtet?

HOLZER: Ich war kürzlich in Deutschland – in Lüneburg und in Hamburg –, und habe den Eindruck, dass die Bauern hier im Grunde überhaupt keine Rechte mehr haben. Aber in den USA, in Kalifornien, wo ich Projekte betreut und Vorträge gehalten habe, ist es noch schlimmer. Dort hat man das Wasser vom Grund und Boden getrennt. Es gibt separate Wasserechte und Bodenrechte. Überall herrscht Wassermangel, es entstehen Waldbrände. Und all das sind vom Menschen verursachte Katastrophen, weil man die Natur abgeholzt, ausgenützt und ausgebeutet hat. Dann hat man sie einfach liegen lassen. Und jetzt weiß man nicht, wie man das Ganze renaturieren kann. Dabei wäre das ohne weiteres möglich. Doch das kostet Geld und braucht Zeit. Außerdem hat man verlernt, wie das funktioniert. Man hat nur das Benutzen und Ausnutzen gelernt, aber nicht das Erhalten.

Haben Sie in Kalifornien ein konkretes Projekt, das zeigt, wie sich die Situation nach Ihren Methoden wesentlich verbessert hat?

HOLZER: Ich habe zum Beispiel in Malibu ein großes Projekt, das der Österreicher Klaus Heidegger dort angesiedelt hat. Es ist ein sehr trockenes Gebiet. Aber ich habe in diesem Gebiet, wo man es nicht für möglich gehalten hatte, Quellen gesucht und gefunden. Dort fließt jetzt das beste Quellwasser. Dann haben wir Terrassen gebaut und Retensionsräume geschaffen, um die Landschaft zu renaturieren. Das war wegen der Behörden und der Architekten sehr schwierig, eine Zusammenarbeit ist ja kaum möglich. Aber ich habe jemanden kennengelernt, der sich als Rechtsanwalt auch für den Naturschutz einsetzt: Bob Kennedy, den Neffen des Ex-Präsidenten John F. Kennedy. Er hat mich mehrmals besucht und auch eingeladen, ihn persönlich zu beraten. Wenn eine so namhafte Persönlichkeit sagt: „Ziehen wir das Ganze durch!“, dann macht das Hoffnung. Man braucht immer Zivilcourage, wenn man etwas durchsetzen will. Kennedy ist überzeugt und unterstützt das Projekt. Daher hoffe ich, dass sich auch politisch etwas verändern wird. Wenn einmal erfolgreiche Modellprojekte geschaffen sind, dann müssen sich die Behörden und Architekten bewegen.

Sie sind ja auch weit im Osten tätig. Im Moskau unterstützen Sie ein Kindergartenprojekt. Wie ist es dazu gekommen?

HOLZER: Ich habe in Osteuropa viele Projekte, 44 insgesamt. In der Ukraine, in Russland, in Kasachstan – teilweise sehr große Projekte mit bis zu 5.000 Hektar. Dazu noch die Anastasia-Projekte. Und egal wo ich bin, ich sage immer meine Meinung über das, was ich vorfinde. Bei dem Projekt in Moskau war mir klar, dass die Kinder ein Betätigungsfeld brauchen. Denn einige Kinder waren aggressiv oder depressiv, und es gab sogar Suizidfälle. Also habe ich ein „Naturprojekt“ vorgeschlagen, was natürlich zuerst von der Verwaltung abgelehnt wurde. Als man jedoch nach einem Jahr gesehen hat, wie erfolgreich das Projekt war und die Kinder sich in ihrem Verhalten um 180 Grad gedreht hatten, dass sie ihre Pflanzen pflegten und die Regenwürmer vom Boden aufsammelten und zu ihren Pflanzen trugen, war die Verwunderung groß. Was zuerst nach Strafe aussah, wurde zu einer Förderung.

Die Kinder nehmen etwas sehr schnell auf, wenn sie sehen, dass sie damit Erfolg haben, wenn sie etwas haben, das ihnen gehört, dass es ihr eigenes Radieschen ist, ihr eigener Blumenkohl … Kinder brauchen Erfolgserlebnisse, die bewirken oft wahre Wunder. Kinder sollen mit der Natur aufwachsen können. Kinder, die lernen, wie die Natur funktioniert, was Käfer, Ameise, Vogel, Wurm oder Spinne machen, können die Perfektion der Schöpfung erkennen. Dann entwickeln sie Vertrauen. Und das Lernen von der Natur hört ein Leben lang nie auf.

Das Wunderbare an der Natur ist, dass sie dich immer mitnimmt. Du machst jeden Tag neue Erfahrungen. Und die Kinder brauchen das am Allernotwendigsten. Das gibt ihnen auch eine Zukunftsperspektive … zu wissen, was sie selbst tun können.

Was ist für die nähere Zukunft geplant?

HOLZER: Ich gebe hier Seminare und bilde Menschen in der Holzerschen Permakultur aus. Das habe ich auch schon auf dem Krameterhof getan. Die Leute begleiten mich dann teilweise auf meinen Auslandsreisen. Und es macht große Freude, wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung alle dabei sind. Ziel ist, dass sie in der Praxis lernen, eigene Projekte und Beratungen durchzuführen. Damit sich endlich etwas tut! Denn für mich alleine ist das nicht zu schaffen. Herr Holzer, ich wünsche Ihnen für Ihre Projekte alles Gute. Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Interview-auszug aus der Zeitschrift "Naturscheck", vom Wissens-Verlag

Als youtube-video: verschiedene Interviews

Bücher von Sepp Holzer: "Der Agrar-Rebell", "Sepp Holzers Permakultur"

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Veröffentlicht in Buecher, Besondere Personen, Filme

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